Das Bild, das alle kennen

Der Marketing-Funnel ist das meistgezeichnete Dreieck der Businesswelt. Oben breit – viele Menschen hören von Ihnen. Unten schmal – wenige kaufen. Dazwischen: Magie, die keine Agentur wirklich erklären kann.

Das Modell ist nicht falsch. Es ist simplifizierend – und in der Praxis von KMU wird es regelmäßig auf eine Art angewendet, die mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt.

Der Funnel wird oft als Beschreibung der Realität verkauft. Er ist aber nur ein Modell – und wie jedes Modell lügt er ein bisschen.

Wo er in der Praxis versagt

Das Problem beginnt nicht beim Modell selbst, sondern bei der Art, wie es angewendet wird. In Gesprächen mit KMU erlebe ich immer wieder dieselben vier Muster:

Problem 01
Der Funnel als Alibi
Budget wird auf Awareness gesetzt, weil das messbar aussieht. Was danach mit den Leads passiert, fragt niemand.
Problem 02
Fehlende Übergaben
Marketing bringt Leads. Vertrieb fragt: "Von wem?" Die Übergabe zwischen Funnel-Stufen ist in den meisten KMU ungeklärt.
Problem 03
Messung nur oben
Reichweite, Impressions, Klicks – alles bekannt. Was aus diesen Klicks wird, weiß oft niemand genau.
Problem 04
Der Funnel endet zu früh
Retention und Advocacy fehlen komplett. Nach dem Kauf: Stille. Mehr dazu in Teil 2 dieser Serie.

Der löchrige Gartenschlauch

Stellen Sie sich vor, Sie pumpen jeden Monat Budget in den oberen Teil des Funnels. Awareness wächst. Klicks steigen. Und trotzdem kommen unten nur wenige Kunden an – und die, die ankommen, hören danach nie wieder von Ihnen.

Typisches KMU-Funnel-Szenario
Awareness10.000
Interesse1.200
Consideration340
Conversion28
Retention?
Advocacy?
Die meisten KMU kennen ihre Zahlen bis Conversion. Was danach passiert, bleibt im Dunkeln – dabei liegt dort oft der größte Hebel.

Was der Funnel nicht zeigt

Der klassische Funnel ist eine Vereinfachung der Customer Journey – und Vereinfachungen sind nützlich, solange man weiß, was sie weglassen.

Was er weglässt: Menschen kaufen nicht linear. Sie springen zwischen Stufen. Sie kommen zurück. Sie entscheiden sich anders. Und sie reden mit anderen – noch bevor sie selbst kaufen.

Was er auch weglässt: Die Zeit nach dem Kauf. Retention und Advocacy sind im klassischen Funnel-Modell nicht einmal vorgesehen. Dazu mehr in Teil 2 dieser Serie.


Wie man den Funnel sinnvoll nutzt

Der Funnel ist kein schlechtes Werkzeug. Er ist ein Kommunikationsrahmen, der hilft, über Prioritäten zu sprechen. Die Frage ist: Welche Stufe ist gerade die schwächste? Wo verlieren Sie am meisten?

Statt blind oben mehr Budget reinzupumpen, lohnt es sich, den Schlauch auf Löcher zu prüfen. Manchmal ist die Antwort mehr Reichweite – oft aber liegt das Problem bei der Übergabe zwischen Marketing und Vertrieb, bei einem unklaren Angebot oder bei einer schlechten Post-Purchase-Experience.

Wenn Sie wissen wollen, wo bei Ihnen die Lücke ist: Melden Sie sich. Das herausfinden macht mir ehrlich gesagt Spaß.